„Spitzwegerich“ oder [wie] ein Buch entsteht 12

Der „Spitzwegerich“ als grünes Buch?

Unserem Autor Wolfgang Bartsch, „Spitzwegerich. Ein Königsweg der Sehnsucht nach Anderswie?“, ist aufgefallen, dass wir seit einiger Zeit bei einer anderen Druckerei drucken lassen, und er hat mich gefragt, ob sich dies mit meinem Anspruch an eine ökologisch und sozial verträgliche Buchproduktion vereinbaren ließe. Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass es einem Autor hübsch egal sein könnte, wo der Verlag die Bücher eines bestimmten Autors druckt. Aber Wolfgang Bartsch ist ein bewusster Mensch und weiß um unsere Ansprüche, und das ist gut so.

Immerhin haben wir bereits 2001 unter Beweis gestellt, dass sich die Produktion von Büchern selbst in kleinen und kleineren Auflagen ressourcenschonend bewältigen lässt, und dafür haben wir einen kleinen Preis mit nach Hause nehmen dürfen. Ein bisschen stolz dürfen wir schon darauf sein, es war der Hauptpreis in der Sparte Logistik beim Ecodesign-Wettbewerb.

Logistik? Wieso denn das? Also ich versuche einmal eine Erklärung:

Bei der ökologisch nachhaltigen Buchproduktion kommt es nicht nur darauf an, mit welchem Papier man z. B. druckt, sondern auch darauf, wo das Papier hergestellt wurde, wie die Transportwege des Papiers aussehen, ob es eine Lagerware ist oder extra bestellt und zur Druckerei transportiert werden muss. Das ist so ähnlich wie beim Biojoghurt aus Frankreich, der beim Transport nach Österreich ungefähr ein Viertelbecher Öl verbraucht. Da ist es dann schon „wurscht“, ob der Joghurt Bio ist oder nicht. Weitere Fragen: Werden beim Drucken Farben aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet, die vollständig biologisch abbaubar sind? Gibt es in der Druckerei Recyclingkreisläufe für die eingesetzten Chemikalien, die vollständig geschlossen gehalten werden können? Und wie sieht es mit den Beschäftigungsverhältnissen aus?

Kommen wir aufs Papier zurück, das ja ein wesentlicher Bestandteil von Büchern ist. Natürlich ist es sinnvoll, dass es aus nachhaltig wachsenden Rohstoffen stammt und im besten Fall FSC-zertifiziert ist. Zusätzlich sind aber nicht nur, wie bereits beschrieben, die Transportwege und der Druck wichtig, sondern auch, wie der Verlag arbeitet. Genau das war der entscheidende Punkt für unser erfolgreiches logistisches Konzept: Wie können wir das Manuskript bei den Autorinnen und Autoren „abholen“, wie können wir die richtige Auflage bestimmen und zeitnah in Offset oder Digital und/oder umgekehrt drucken, verwenden wir refurnishte Computer von Einrichtungen, die z. B. Langzeitarbeitslose wieder in die Arbeitswelt integrieren bzw. kaufen wir Monitore aus zurückführenden Handelskreisläufen, verzichten wir auf den vielfach noch üblichen Firmen-PKW, beziehen wir Ökostrom oder nicht usw. usf.?

Das alles macht in Summe eine ökologisch verträgliche Buchproduktion aus, und da kann meiner Meinung nach durchaus in einem Punkt ein Abzug gemacht werden, wenn in Summe durch einen positiven Effekt bei einem anderen Punkt ein höherer Nachhaltigkeitseffekt erzielt wird. Abzüge müssen wir beim Genuss unserer Bücher ja nicht machen. Genau so wenig wie wir heute auf etwas verzichten müssen, wenn wir versuchen, kostenbewusst und nachhaltig zu leben, zu essen, uns zu kleiden, zu verreisen oder Bücher zu kaufen. Sie sehen also, dass wir bei Fragen nach der ökologisch und sozial verträglichen Herstellung eines Produkts buchstäblich, um bei einer alten Formulierung zu bleiben, blitzartig vom „Hölzchen aufs Stöckchen“ kommen. Ich weiß jetzt aber nicht, ob sich unser Autor Wolfgang Bartsch bei seiner Frage dessen bewusst war. Mit dem Bewusstsein ist es ja auch so eine eigene Geschichte, wie Bertold Brecht herausgefunden hat. Aber das führt nun buchstäblich zu weit.

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